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Das ABC der Zöliakie – Teil 1

A… wie Antikörper:

Um sich gegen „feindliche Stoffe“ zu wehren, bildet das Immunsystem Antikörper. Bei Zöliakie geht es um Antikörper, die sich gegen die Transglutaminase (Anti-TG) und gegen das Endomysium (EmA) richten. Ersteres ist ein Enzym in der Darmschleimhaut, das dafür zuständig ist, das in Gluten enthaltene Glutamin zu verarbeiten. Bei einer Zöliakie werden dagegen Antikörper gebildet, die im Blut aktiv sind und die Transglutaminase attackieren. Die Folge ist eine Entzündung der Darmschleimhaut. Das Endomysium ist eine Schicht des Bindegewebes in der Darmwand. Auch dagegen werden bei einer Zöliakie Antikörper gebildet, die diese Schicht angreifen und den Abbau der Darmzotten zur Folge haben. Der Nachweis dieser Antikörper im Blut ist daher Teil der Diagnose für Zöliakie, aber auch Teil der Verlaufskontrolle, wie gut die Diät eingehalten wird. Denn: Wer keine Gluten zu sich nimmt, hat auch keine Antikörper. Menschen ohne Zöliakie haben diese Antikörper ohnehin nicht, weil bei ihnen genau diese überschießende Immunreaktion auf Gluten nicht passiert.

 

B… wie Biopsie:

Für eine 100 Prozent abgesicherte Diagnose ist eine Dünndarmbiopsie notwendig. Im Rahmen einer Magenspiegelung wird eine Probe aus dem Darm entnommen, meist aus dem Zwölffingerdarm, das ist der erste Zeit des Dünndarms. Es werden mehrere Proben entnommen und anschließend wird der Schleimhautaufbau untersucht. Der Patient muss nüchtern sein und er darf sich zuvor auch nicht glutenfrei ernährt haben. Das würde die Probe verfälschen, weil dann die potenzielle Schädigung, die Gluten hervorrufen könnten, nicht sichtbar wäre. Die Dünndarmbiopsie gilt als Goldstandard der Diagnose, allerdings werden mittlerweile Kinder auch nur noch durch Blutuntersuchungen diagnostiziert, wenn die Werte und die Kontrollwerte eindeutig sind.

 

C.. wie Coeliac Disease, Celiac:

Die englische Bezeichnung für Zöliakie, wobei ersteres british english ist, und zweiteres american english. Die lateinische Fachbezeichnung lautete coeliacia. Diese Bezeichnung leitet sich vom lateinischen coeliacus her, das mit „den Unterleib betreffend“ oder auch „unterleibskrank“ übersetzt werden kann.

 

D… wie Diät:

Einzig wirksame Therapie ist die glutenfreie Diät. Es gibt – trotz vieler Forschungen in diese Richtung – weder ein Medikament, noch eine Impfung. Zwar werden immer mehr Mittelchen angeboten, die Gluten besser verträglich machen sollen, aber diese sind nicht für Zöliakie geeignet (was übrigens auch in den Beipacktexten immer so angeführt ist). Also: auf Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste, Einkorn, Karmut, Triticale, Grünkern und Emmer, sowie auf alle daraus hergestellten Produkte verzichten. Dann regeneriert sich der Darm und man ist gesund.

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E… wie Ernährung:

Wie schon unter dem Punkt Diät erklärt, ist der Schlüssel zu einem beschwerdefreien Leben die glutenfreie Ernährung. Es gibt viele Ersatzprodukte, erkennbar an der durchgestrichenen Ähre. Es gibt aber auch viele von Natur aus glutenfreie Lebensmittel und es ist sinnvoll, möglichst viele von diesen in den Speiseplan zu integrieren, da Ersatzprodukte meist teuer sind und oftmals auch Zusatzstoffe enthalten, die nicht zwingend notwendig wären. Alle Tipps und Notwendigkeiten der glutenfreien Ernährung zu erklären, würde den Rahmen hier sprengen. Aber dafür gibt es ja den Blog, also schaut euch ruhig um!

 

F… wie Folgeerkrankungen:

Das wirklich dramatische an der Zöliakie sind die Folgeerkrankungen, die durch das nicht einhalten der Diät ausgelöst werden können. Man kann sich das wohl ganz gut vorstellen, wenn man überlegt, dass es für einen Körper problematisch ist, ein Immunsystem zu haben, das ständig in Alarmbereitschaft ist und mit ständigen Entzündungen zu kämpfen hat. Dazu kommen Mangelerscheinungen, weil der Darm die Nahrung – und damit die notwendigen Nährstoffe – nicht ausreichend aufnehmen kann. Das hat alle möglichen Folgen wie zum Beispiel Osteoporose, Risiko von Hauterkrankungen, Fehlgeburten, Depressionen. Zudem wird vermutet, dass eine unbehandelte Zöliakie auch zu weiteren Autoimmunerkrankungen führen kann, zum Beispiel Hashimoto oder Diabetes. Und trauriger Höhepunkt: Ein höheres Risiko für die Ausbildung von Tumoren. Wie bereits erwähnt, hält man sich an die Diät, sind diese Folgen der Zöliakie nicht zu erwarten, da der Darm und das Immunsystem ganz normal funktionieren.

 

G…wie Gluten:

Ja, was sind sie denn nun, diese bösen Gluten. Eigentlich an sich gar nichts böses. Gluten sind ein Klebeeiweiß, dass in den oben genannten Getreidesorten vorkommt. Es hat einen wesentlichen Anteil an den guten Backeigenschaften dieser Getreide: eine fluffige Konsistenz und eine knackige Kruste. Wer sich so manches glutenfreie Brot – vor allem vor noch rund zehn Jahren – angesehen hat, weiß, wie schmerzlich Gluten beim Backen fehlen können. Gluten ist eine Verbindung von Eiweißmolekülen, die ganz natürlich vorkommt und jemanden ohne Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit keine Beschwerden macht.

 

H… wie Hafer:

Nun kommen wir zu den glutenfreien Getreidesorten, wobei Hafer eine Sonderstellung einnimmt. Glutenfrei sind: Reis Mais, Hirse, Buchweizen, Amaranth und Quinoa. Hafer ist nicht in der Liste, wird aber trotzdem als Teil der glutenfreien Diät akzeptiert. Das kommt daher, dass Hafer nur ein Zehntel der glutenrelevanten Proteine im Vergleich zu Weizen hat. Es muss aber unbedingt darauf geachtet werden, dass der Hafer als glutenfrei ausgewiesen ist. Denn das Problem sind weniger die Inhaltsstoffe, als vielmehr die Verarbeitung. Wird Hafer in einer gleichen Mühle verarbeitet, wie glutenhältige Getreide, ist er kontaminiert und gilt nicht mehr als glutenfrei.

 

I… wie IgA:

Die IgA-Antikörper sind jene Antikörper, auf die bei einer Blutuntersuchung auf Zöliakie geschaut wird. Darauf ist bei den vielen Selbsttests auf Unverträglichkeiten, die es mittlerweile so gibt, unbedingt zu achten. Denn bei diesen werden nicht die IgA-Antikörper getestet, sondern die IgG-Antikörper. Das Problem daran: das sind nicht relevante Antikörper, die gebildet werden, sobald man mit etwas „körperfremden“ in Kontakt kommt. Sie lösen aber keine Reaktion des Immunsystems aus und sind daher nicht aussagekräftig. Ein Arzt drückte es einmal sehr pointiert aus: „IgE sind für Allergien, IgA für Zöliakie und IgG für gar nichts.“

 

J… Jerome Boateng:

Ja, ich gebe zu, das ist ein bisschen eine Verlegenheitsauswahl. Zu diesem Buchstaben ist mir nicht wirklich etwas anderes eingefallen. Trotzdem kann man anhand von Jerome Boateng gut erklären, warum Zöliakie und Glutenunverträglichkeit in der öffentlichen Wahrnehmung oft missverstanden werden. Viele Prominente sind zu einer glutenfreien Ernährung übergegangen, aber nicht alle wegen Zöliakie. Und genau daher kommt die Verwirrung oft, denn diese Promis sagen dann, sie würden aus Gesundheitsgründen verzichten, oder hätten Gluten reduziert. Damit erwecken sie den Anschein, glutenfrei sei gesund, aber nicht ganz so streng zu beachten. Das mag schon sein, aber für Zöliakie-Betroffene ist es eben doch streng.

 

to be continued…

 

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