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Kontroverse: Glutenfrei nur noch mit Attest?

Diese Meldung hat mich aufhorchen lassen: Der Betreiber eines Cafés in Dublin kündigte an, glutenfreie Speisen nur nach Vorlage eines Attests zu servieren. Ein Attest darüber, dass man an Zöliakie leidet und daher wirklich auf glutenfreies Essen angewiesen ist. Anlassfall soll eine Kundin gewesen sein, die einen glutenfreien Pfannkuchen bestellte. Der Wirt fragte sie, ob sie denn Zöliakie habe. Die Kundin kannte den Begriff gar nicht – sie bestellte dann normale Pfannkuchen mit Gluten. Den Cafè-Betreiber brachte dies so sehr auf die Palme, dass er auf Facebook mit ziemlich deutlichen Worten verkündete, eben in Zukunft auf ein Attest zu bestehen: „Gäste, die nur dem Glutenfrei-Trend nachlaufen, die nicht einmal wissen, was Gluten sind, können verdammt noch einmal wieder zur Vernunft kommen und normales Essen essen wie jeder andere auch.“

Das hat gesessen und seitdem geht es auf der Facebook-Seite des Lokals rund. Heftige Diskussionen für und gegen glutenfreie Ernährung, für und gegen das Recht der Kunden zu bestellen, was sie wollen  – und für und gegen das Recht des Wirts, in seinem Lokal selbst bestimmen zu können, was er anbietet und was nicht. Und wie das eben so ist bei „Diskussionen“ im Internet und auf Facebook, gibt es wüste Beschimpfungen und regelrechte Hasstiraden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mich beschäftigt eher die Frage, ob die Forderung des Wirtes gerechtfertigt ist. Wobei ich ja bezweifle, dass sie tatsächlich so ganz ernst gemeint war. Aber sollen Menschen wirklich mit einem Attest essen gehen? Sorry, nein. Das geht zu weit. Und das sage ich als Zöli, also als jemand, der jedes Recht auf glutenfreies Essen hat und dazu viele, viele medizinische Beweise vorlegen könnte. Aber das kann doch niemand ernsthaft wollen?!?

Mehr zum Thema:
Was ist Zöliakie?
Wie funktioniert glutenfreie Ernährung?
Was ist eigentlich Gluten?
Wie spricht man Gluten richtig aus?

Viele Trends, viele Wünsche

Andererseits verstehe ich schon, dass es für Wirte und Köche manchmal schon schwierig werden kann, sämtliche Wünsche – die nun einmal oft mit Ernährungstrends zusammenhängen – zu erfüllen. Vegetarisch, vegan, glutenfrei, laktosefrei, histaminfrei,… die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Allen Anforderungen kann ein Lokal ja gar nicht erfüllen. Und gerade, wenn die Betreiber dann den Eindruck haben, die Kunden haben selbst keine Ahnung, was und warum sie eigentlich „irgendwas-frei“ wollen.

Aber bei allem Verständnis dafür: Ein Attest vorlegen? Nein, für mich geht das eindeutig zu weit. Wobei, wie gesagt, ich nicht glaube, dass diese Forderung wirklich so ernst gemeint  war, wie sie jetzt diskutiert wird.

Was sagt ihr dazu?

 

 

9 thoughts on “Kontroverse: Glutenfrei nur noch mit Attest?

  1. Ich bin glücklicherweise weder allergisch noch leider ich ansonsten unter einer Lebensmittelunverträglichkeit. Ich kann also essen, was auch immer ich mag. Manchmal möchte ich vegan essen, mal Fleisch und vielleicht möchte ich ja aus irgendeinem Grund glutenfrei essen. Daher finde ich es schon schön, wenn man grundsätzlich diese Möglichkeiten hat.
    Aber ohne Not irgendetwas im Restaurant bestellen, was nicht auf der Karte steht? Das halte ich für schwierig und als Lokal/ Koch/ Gastgeber hat man es sicher nicht gerade leicht, wenn es ständig Sonderwünsche ohne „Grund“ gibt.

    Auf der anderen Seite sollte ich als Kunde nicht ellenlang erklären müssen, warum ich etwas nicht esse. Ob ich nun eine Allergie habe oder aus ethischen/ religiösen / persönlichen Gründen etwas nicht esse, kann dem Wirt eigentlich egal sein. Wichtig ist da eher das Verhalten des Gastes, denke ich. Das wird auch in diesem Fall der ausschlaggebende Punkt gewesen sein.

    Klug macht es Claudia von „Geschmeidige Köstlichkeiten“: Sie ist wirklich eingeschränkt, was das Speisenangebot angeht und reserviert darum im Idealfall vorher einen Tisch und teilt mit, was sie essen kann und was nicht. So haben es alle Seiten leichter.

    Liebe Grüße
    Carolin

    1. Hallo Carolin,
      danke für deine Meinung. Ich sehe das Problem auch darin, dass man als Kunde oder Gast in einen Rechtfertigungszwang gedrängt wird. Umgekehrt sollte es natürlich auch einem Koch freistehen zu sagen: Bei mir gibt es nichts glutenfreies zu essen. Damit hätte ich kein Problem. Dann müsste man sich eben ein anderes Lokal suchen.
      LG
      Barbara

      1. Hallo Barbara,
        ja, dieser Rechtfertigungszwang ist dann halt wirklich blöd. Sofern von Anfang an die „Fronten“ geklärt sind, ist ja alles in Ordnung. Unschön wird es halt dann, wenn es ans Diskutieren geht.
        LG
        Carolin

  2. Sorry aber de Typ ist doch dämlich. Er hat bestimmt noch nie davon gehört, dass es Menschen gibt die keine Gluten vertragen und trotzdem nicht Zöli sind – ich zum Beispiel. Dazu kommen Leute die keine Fruktane vertragen, was in Weizen sehr stark vorhanden ist und somit auch Glutenfrei bestellen.
    Ich war einmal an einem 3 tägigen Event und sollte für meine Intoleranzen ein ärztliches Attest vorlegen. Habe mich geweigert, sehe es nicht ein Kosten zu generieren für Arzt etc., wenn ich doch genau weiss was ich nicht vertrage. Dazu kommt, dass eine Glutensensitivität nur durch eine Ausschlussdiät festgestellt werden kann, was will mein Arzt da tun?

  3. Ich schlage mich zZ auch mit ein paar Lebensmittelallergien rum und könnte ja garnicht testen welche es sind, wenn man für Allergien ein Attest vorlegen müsste. Aber du hast Recht, Zöliakie oder auch Lactoseintoleranz sind sehr „in“ im Moment.

  4. Hallelujah, manche Menschen sind wirklich empfindlich. Wahrscheinlich ist dem guten Gastwirt hier eine ganz andere Laus über die Leber gelaufen und die Kundin hat es abgekriegt. Jetzt projiziert er seinen Frust auf die Menschen, die nach einer „Sonderbehandlung“ fragen.

    Menschen, die an Zöliakie leiden, haben aus diesen Gründen mein Mitgefühl. In den vergangenen Jahren ist das Bewusstsein darüber gewachsen, dass Gluten entzündlich ist, nun versuchen viele Menschen, es zu vermeiden, auch wenn sie nicht müssen. Daher werden Zöliakieerkrankte oft nicht mehr ernst genommen. Es ist bedauerlich.

    1. Hallo Lisa,
      ja das glaub ich auch, dass der Wirt da irgendwie seinen Frust rausgelassen hat. Vor allem wenn man sich so anschaut, was er sonst noch postet 😉
      Lg
      Barbara

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