Gluten erwischt – und nun?

Zöliakiebetroffene meiden Gluten ja nicht aus Spaß an der Freude, sondern weil das Klebereiweiß ihrem Körper schadet. Und das schon in sehr kleinen Mengen. Deshalb ernährt man sich streng glutenfrei. Und achtet auf versteckte Gluten. Und ist in Sachen Kontamination vorsichtig. Und kontrolliert jede Speisekarte doppelt und dreifach.

Und trotzdem passiert es manchmal, man erwischt Gluten. Oder befürchtet Gluten erwischt zu haben. Und nun? Was tun?

Zuallererst: Nicht in Panik verfallen! Es ist nicht so, dass man gleich tot umfällt. Deshalb auf keinen Fall Erbrechen auslösen oder ähnliche schwachsinnige Panikreaktionen. Und ja, solche Vorschläge habe ich tatsächlich schon in Internetforen und Facebook-Gruppen gelesen. Das ist absolut übertrieben!

Weiß man nicht sicher, ob man Gluten erwischt hat und hat darauf auch noch keine Reaktion (wie diese Reaktionen aussehen können, könnt ihr hier nachlesen: Die vielfältigen Symptome bei Zöliakie), ist das einzige, was man machen kann tatsächlich abwarten und Tee trinken. Kommt es nach mehr als drei Tagen zu keiner Reaktion ist es wohl wahrscheinlich, dass man nichts erwischt hat oder dass die Menge sehr gering war. Dass auch eine sehr geringe Menge zur Schädigung des Darmes führen kann, sollte einem Betroffenen bewusst sein. Aber daran lässt sich dann auch nichts mehr ändern und anstatt sich selbst zu zerfleischen oder vor Sorge krank zu werden, ist es sinnvoller sich vorzunehmen, das nächste Mal einfach besser aufzupassen.

Wenn es zu einer Reaktion kommt, ist diese natürlich zu behandeln. Bei mir sind es Bauchschmerzen mit Durchfall. Da hilft nur mit der Wärmeflasch ab ins Bett – bzw. zwischendurch aufs Klo – und warten bis es vorbei ist. Ich nehme keine Medikamente und würde dazu auch nur raten, wenn das mit einem Arzt abgesprochen ist. Außer es handelt sich um krampflösende natürliche Mittel und entsprechende Tees.

 

Tees, Wärme und Massage

Empfehlenswert sind in so einem Fall Magen-Darm-Tees, die reizlindernd und schleimhautschützend wirken, entweder als Tee-Mischung mit mehreren Kräutern (sogenannte Magen-Darm-Tees) oder mit einzelnen Kräutern. Zum Beispiel schleimhautschützender Käsepappeltee, krampflindernder Fenchel- oder Schafgarbentee und bei Übelkeit hilft auch Ingwertee. Aber auch der klassische Kamillentee wirkt beruhigend und entzündungshemmend. Wie bereits erwähnt ist Wärme wichtig. Für mich ist eine Wärmeflasche ein absolutes Muss in diesen (zum Glück sehr seltenen) Fällen. Auch eine Möglichkeit: Eine wärmende, entspannende und blähungslindernde Bauchmassage (gegen den Uhrzeigersinn kreisförmig rund um den Bauchnabel, wenn überhaupt nur mit ganz leichtem Druck). Eine breite Auswahl an Tees, Wärmeflaschen und Öle für eine entspannende Bauchmassage findet ihr hier: shop-apotheke.at

 

Keine Panik!

Wenn es zu einer Reaktion gekommen ist, kann man davon ausgehen, dass es zu einer Darmschädigung gekommen ist. Wie stark diese ist, lässt sich nicht so eindeutig sagen. Nach einem einmaligen Glutenunfall ist eine Untersuchung des Darms oder ein Antikörpertest nicht notwendig. Auch wenn man zum Beispiel Durchfall hatte, heißt das nicht, dass sich das auch gleich Antikörper im Blut nachweisbar sind. Und selbst wenn: Passiert ist der Glutenunfall ja schon.

Zusammenfassend würde ich es mit dem besten Reiseführer durch das Universum sagen: „Don’t panic!“ Ein Unfall kann passieren, deshalb sollte man weder die Nerven wegschmeißen, noch in Panik verfallen. Umgekehrt muss ich aber schon sagen, dass man es nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte, Gluten zu sich zu nehmen. Zur Gewohnheit sollte es keinesfalls werden!

5 thoughts on “Gluten erwischt – und nun?

  1. Liebe Barbara!

    Danke dir vielmals für diesen Blog.
    Ich bin ein „Neu-Zöli“ und eigentlich nur durch Zufall darauf gekommen, weil ich aufgrund Verdachts auf Histaminintoleranz zum Arzt gegangen bin und einen Bluttest gemacht habe, der dann zusätzlich auch auf Zöliakie getestet hat. Leider waren beide Befunde positiv. Nach einem Atemtest stellte sich auch noch Fruktose heraus. Die Magenspiegelung brachte dann auch noch den endgültigen Beweis – Zöliakie Marsh 3a. Allerdings hatte ich nie, nie, nie Beschwerden und hätte auch niemals vorher darüber nachgedacht, dass etwas mit mir nicht stimmen könnte, wenn ich Gluten zu mir nimm.
    Jetzt zu meiner Frage: Da ich nie Symptome aufgewiesen habe, wie kann ich dann kontrollieren, wenn es zu einem Unfall oder einer Kontamination gekommen ist?

    Liebe Grüße,
    Verena

    1. Liebe Verena,
      vielen Dank für deine Nachricht. Du hast völlig recht, für Betroffene ohne Beschwerden ist es doppelt schwierig, weil sie „Diätfehler“ nicht bemerken. Deshalb heißt es aber auch, doppel vorsichtig sein! Gerade versteckte Gluten (http://www.coeli-news.com/ernaehrung/lebensmittel-die-ueberraschenderweise-gluten-enthalten/) können bei dir zum Problem werden. Deshalb: Zutatenliste immer lesen, im Restaurant immer genau nachfragen und sich mit den verbotenen Zutaten (http://www.coeli-news.com/gesundheit/die-verbotenen-zutaten/) besonders gut vertraut machen.
      Du wirst sehen, es ist gar nicht so schwer.
      Eines noch: Nicht glauben, dass ein Diätfehler dann und wann nicht schadet! Auch wenn du keine Symptome hast, lösen Gluten trotzdem eine Entzündungsreaktion im Darm aus.
      Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen!
      Alles Gute!
      Barbara

  2. Liebe Barbara!

    Vielen Dank für deine rasche Antwort und deine ganzen Tipps. Nein, ich weiß eh dass Gluten trotzdem eine Entzündungsreaktion im Darm auslöst. Deshalb versuche ich auf Gluten zu verzichten und hab mir jetzt sogar für meinen Arbeitsplatz in der Firma einen eigenen Toaster angeschafft, damit ich meine eingefrohrenen Brötchen in Blitzeseile „auftauen“ kann. (Ist ja wegen dem Histamin auch nicht so leicht 😉 )

    Ich weiß, das klingt jetzt vielleicht blöd, aber wenn du im Restaurant bestellst, was sagst du da zu der Kellnerin? Ich war bisher erst ein paar mal seit meiner Diagnose essen und jedesmal hab ich mich absolut ungut gefühlt, wenn ich gefragt habe, welche Gerichte (wenn es jetzt nicht angegeben war) glutenfrei sind.
    Was sagst du, dass der Koch (wenn er sich nicht auskennt) auf die Kontamination Rücksicht nehmen soll?

    Und meine zweite Frage geht jetzt eigentlich auch um die Kontamination:
    Wenn ich jetzt zum Beispiel zu den Weihnachtsfeiertagen eingeladen bin und alle Gastgeber schon Rücksicht nehmen und glutenfrei für mich kochen, wie kann ich dann – ohne Symptome – herausfinden, dass es trotzdem zu einer eventuellen Kontamination gekommen ist, weil sich zum Beispiel Rückstände von Gluten auf der Pfanne befinden könnten oder sie zum Beispiel die Reihenfolge beim Sieb nicht beachtet haben?

    Liebe Grüße aus der Steiermark,
    Verena 🙂

    1. Hallo Verena,
      also im Restaurant verlasse ich mich einerseits auf die Allergenkennzeichnung (A für Gluten) und wenn ich mir unsicher bin, frage ich nach. Blöd brauchst du dir da nicht vorkommen. Kellner und Köche müssen sich auskennen, bzw. bekommt man ja von der Antwort schon ein Gefühl dafür, ob es da ein Wissen gibt oder ob einfach irgendwas gesagt wird. Und im Zweifelsfall esse ich Salat (den ich oft schon zurück gehen hab lassen, weil dann doch Croutons drauf waren….) Also ja, es nervt, aber du wirst sehen, man gewöhnt sich auch an das Nachfragen.
      Das Thema Kontamination ist ein sehr schwieriges, vor allem wenn man kaum oder wenige Symptome hat. Ich weiß auch, dass das zum Beispiel von der Arbeitsgemeinschaft Zöliakie in Österreich und von der DGZ sehr unterschiedlich gesehen wird.
      Hast du den Beitrag „Meine Kindheit mit Zöliakie“ gelesen? Früher gab es gar kein Wissen zum Thema Kontamination. Meine Mutter hat zum Beispiel meine Knödel gemeinsam mit den glutenhaltigen Knödeln gekocht. Unvorstellbar.
      Aber deshalb sehe ich das Thema vielleicht nicht so eng.(Obwohl ich das zum Beispiel jetzt in meinem Haushalt auf keinen Fall mehr machen würde).
      Bist du Mitglied bei der Arge Zöliakie? Da wird in der aktuellen Mitgliederzeitung sehr genau auf das Thema Kontamination eingegangen. Das wäre vielleicht auch interessant für dich. Wenn du willst, schicke ich dir das.
      Liebe Grüße
      Barbara

    2. Ach ja, und noch etwas: Du siehst anhand deiner Antikörper-Werte, ob du alles richtig machst. Die sollte man einmal jährlich testen lassen!

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