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Eine Krankheit als Lifestyle-Trend – wer hätte das gedacht

Ernährungstrends gibt es viele – wie auf dem Bild zu sehen ist – und man kann viel darüber diskutieren, ob und wie sinnvoll diese sind. Von mir aus soll jeder essen, was er möchte. Aber dass es einmal zum Trend wird, sich glutenfrei zu ernähren, hätte ich nicht gedacht.
Ja, tatsächlich. Die Krankheit, die mich begleitet, seit ich denken kann, die noch nie etwas vereinfacht, dafür immer sehr viel verkompliziert hat, die mir viele schmerzvolle Momente bereitet hat, ist zum Trend geworden. Sich glutenfrei zu ernähren ist kein Muss mit andernfalls schwerwiegenden Konsequenzen mehr. Es ist hip, es ist modern, die Diät der Stars.

 

Von vielen – vor allem von jenen, die diesen Trend sehr kritisch sehen – werde ich als „wirklich Betroffene“ oft gefragt, wie ich es sehe, dass nun so viele Menschen glauben, sie müssten auf Gluten verzichten. Ganz ehrlich? Ich finde es toll. Großartig, wunderbar. Und das aus rein egoistischen Gründen. Ich brauche nicht mehr Mehl und Nudeln aus einer einzigen Wiener Bäckerei bestellen – ich gehe in den Supermarkt und kaufe ein! Ich brauche nicht bei jeder Reise, bei jedem Kurztrip Essen mitschleppen.  Man weiß in den Hotels Bescheid! Ich kaufe verschiedene Nudelsorten, Gnocchi, Baguette, Cabatta, Kekse…. Das klingt jetzt vielleicht etwas eigenartig. Aber das war tatsächlich vor zehn Jahren noch komplett anders. Ab und an fand man in einem Reformhaus etwas, das zwar optisch entfernt an Nudeln (oder Kekse oder Vollkornbrot) erinnerte – geschmacklich aber nicht existent war.
Seit Menschen, die sich glutenfrei ernähren, keine fast nicht vorhandene Minderheit mehr sind, sondern zur relevanten Zielgruppe geworden sind, gibt es immer bessere Produkte, immer größere Auswahl – ein Sortiment, das zumindest an „normal essen“ herankommt. Und das auch geschmacklich. Also ja, ich finds gut.

 

Das große ABER:

Nichts ist bekanntlich nur gut oder nur schlecht. Und obwohl ich über den Massentrend „glutenfrei“ grundsätzlich froh bin, hat er auch seine Kehrseite. Es ist großartig, dass in jedem  Restaurant und Gasthaus glutenfrei nicht mehr lange erklärt werden muss. Aber es nervt, am Blick des Kellners zu sehen, dass man absolut nicht ernst genommen wird – zumindest in einigen Fällen. Sofort bekommt man den Stempel „hysterische Tussi, die sich für Miley Cyrus hält“ aufgedrückt. Und wird dann auch so behandelt.

 

Grundsätzlich: Ich verdiene glutenfreie Ernährung nicht mehr als andere, weil ich gesundheitlich dazu gezwungen bin. Jeder, der sich auch welchen Gründen auch immer so ernähren möchte, soll das tun und soll auch die Möglichkeit dazu haben. Aber: Es macht schon einen Unterschied, ob man nach etwas glutenhaltigem zweimal mehr pupsen muss oder ob man für mehrere Stunden mit Bauchkrämpfen, kalten Schweiß und Durchfall flach liegt. Und genau das passiert aber, wenn Kellner oder Köche mich nicht ernst nehmen und denken: „Ach, das bisschen Mehl zum Binden macht ja nichts.“ Oder es wird sich sogar über Betroffene lustig gemacht, wie etwa dieses, dieses und dieses Beispiel zeigen.
Also ja, es nervt manchmal auch, dass Menschen ohne Grund das Schild glutenfrei vor sich hertragen, und damit suggerieren, es geht nur um einen Ernährungstrend und nicht um eine Erkrankung.

 

Wie seht ihr das? Stimmt ab!

 

12 thoughts on “Eine Krankheit als Lifestyle-Trend – wer hätte das gedacht

  1. Mein Mann hat auf glutenfreie Ernährung umgestellt, weil er massive Probleme mit seiner Verdauung hatte. Nach einer Entgiftung und einigen Wochen glutenfreier Ernährung hat sich die Besserung dann auch bemerkbar gemacht und seitdem macht er das sehr gewissenhaft.
    Ich selbst halte nicht viel von Trends. Ich bin da aber auch recht unempfindlich und muss eigentlich auf nichts achten. Aber ausgewogen ernähre ich mich seit den Schwangerschaften schon. Die Ärzte waren immer ganz erstaunt über meine Blutwerte, und das, obwohl ich keinerlei Nahrungsergänzungsmittel zu mir genommen hatte, wie viele Schwangere es tun. Was mir wichtig ist, ist die Qualität der Nahrungsmittel. Und da bin ich froh, etwas ländlicher zu leben. Da hat man ganz andere Möglichkeiten.
    Aber nur weil es gerade IN ist, auf irgendetwas verzichten …? Nein, das ist nicht so meins.
    Einen lieben Gruß
    Tina

  2. Ähnlich wie du es siehst mit dem Thema „Glutenfreier Ernährung“ ist es auch mit vielen anderen Ernährungsformen oder Unverträglichkeiten/Intoleranzen.
    Mein Freund bspw. kann kein Hühnereiweiß essen, ohne die übelsten Magen-Darm-Probleme zu bekommen. Daher ist es natürlich für ihn praktisch, dass der vegane Trend so boomt, da es dann eben auch vieles ohne Ei gibt, was er vorher nicht essen konnte.
    Auf der anderen Seite wird man oft belächelt, wenn man sagt, dass man sich vegan ernährt. Aus eben den gleichen Gründen, dass es ja bloß wieder so ein Hype sei.
    Wie du schon sagst, hat alles seine Vor. und Nachteile, aber ich bin sicher, dass die Vorteile meistens überwiegen.

  3. Hallo Barbara,
    ich kann dir nur zustimmen – jeder soll sich so ernähren wie er möchte, aber ich kann den Glutenfrei-Trend irgendwie auch nicht ganz verstehen, wenn man keine Unverträglichkeit hat. Die Kellner Situation mit dem Stempel kann ich mir nur zu gut vorstellen. 😉 Ich ernähre mich z.B. aus vielen Gründen und schon seit Jahren vegan (u.a. auch weil ich Rheuma habe, aber auch aus dem moralischen Aspekt) und komme mir auch manchmal blöd vor, wenn man den Leuten quasi ansieht, dass sie denken „die will einfach nur hip sein, weil es gerade Trend ist“. Verrückte Welt.
    Liebe Grüße,
    Corinna
    http://www.kissenundkarma.de

  4. Hallo Barbara,
    Du hast völlig recht: Beim Thema Ernährung scheiden sich immer wieder die Geister. Ich lebe selbst vegan und kenne dieses Gefühl sehr gut, nicht ernst genommen zu werden. Dennoch helfen diese Trends auf jeden Fall die Vielfalt zu erweitern. Komplett Glutenfrei lebe ich nicht, aber ich schaue ab und an wo ich darauf verzichten kann.
    Sich ausgewogen zu ernähren ist schließlich wichtig und neue Trends probieren wir doch alle gerne!

    Liebst
    Justine
    http://www.justinewynnegacy.de/

    1. Stimmt, ich sehe per se eigentlich auch nichts schlimmes daran, wenn man einen Trend ausprobiert. Schade ist nur, dass so viele schnell mit einem Urteil bei der Hand sind.

  5. Stimmt schon, das kann sicherlich nerven.
    Grundsätzlich ist soweit ich weiß Gluten aber auf jeden Fall ein entzündliches Nahrungsmittel für den Darm, ob mit Zöliakie oder ohne. Also seit ich das weiß verzichte ich auch immer mehr drauf und ich fände es ungerecht, wenn ich nicht darauf verzichten dürfte, nur weil es bei mir keine schwerwiegende Unverträglichkeit ist.

  6. Hallo Barbara,
    Ich sehe das ähnlich wie du. Da der Markt jetzt boomt haben Betroffene wie du natürlich viel mehr Auswahl in normalen Supermärkten und das finde ich super! Das man aber in Restaurants nicht ernst genommen wird geht gar nicht. Ich habe selbst lange in einer Bäckerei gearbeitet. Egal aus welchen Gründen nach speziellen Zutaten gefragt wurde, ich habe mir immer Zeit genommen um sicher zu gehen, dass davon auch wirklich nichts enthalten ist. Da ist man als Verkäufer / Kellner einfach mit verantwortlich für die Gesundheit seiner Mitmenschen!
    Liebe Grüße
    Ines

    1. Liebe Ines, vielen Dank, dass du den Aspekt mit der Verantwortung rein bringst. Das ist tatsächlich so. Für Menschen mit einer Unverträglichkeit hat es einfach Folgen, wenn das jemand auf die leichte Schulter nimmt oder belächelt!

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