Vielfältige Symptome bei Zöliakie

Eine der Fragen, die ich am öftesten gestellt bekommen, wenn die Rede auf meine Zöliakie kommt, ist: „Und wie äußert sich das, wenn du Gluten erwischt?“ Darauf zu antworten ist gar nicht so einfach. Zum einen ist es ja gesellschaftlich tabuisiert, über seine Verdauung und besonders über die unschönen Aspekte des Magen-Darm-Trakts zu sprechen. Zum anderen wird dann oft angenommen, meine Symptome seinen typisch für Zöliakie. Das sind sie aber nicht. Sie sind auch nicht untypisch. Aber das Problem bei dieser Krankheit ist, dass die Palette der Auswirkungen sehr, sehr breit ist. Sie reicht von einem generellen Krankheitsgefühlt mit Abgeschlagenheit und Müdigkeit über Blähungen und abnorme Stühle, bis hin zu Muskel- und Gelenksschmerzen, Ausschlag, Eisenmangelanämie und Erbrechen. Ein Zeichen kann auch ein sehr aufgeblähter, harter Bauch sein. Dazu kommen noch Völlegefühl, Osteoporose, Appetitlosigkeit oder ständiger Hunger, Nierenerkrankungen, Unfruchtbarkeit, Menstruationsstörungen, chronische Magenschleimhautentzündungen, Depressionen, Eiweißmangel-Ödeme. Bei Kindern sind oft Gedeihstörungen ein Zeichen, aber auch psychische Symtome wie Reizbarkeit und Übellaunigkeit.

Hab ich noch etwas vergessen? Achja, und ganz viele Betroffene haben gar keine Symptome. Deshalb gibt es auch eine relativ hohe Dunkelziffer von Menschen mit Zöliakie, die aber nicht diagnostiziert sind (mehr dazu in dem Beitrag Zöliakie – Zahlen und Fakten). Oder Menschen, die ihre Zöliakie erst durch Zufall entdecken. Und deshalb gibt es auch immer wieder Betroffene, die denken, die Zöliakie sei ausgeheilt. Leider ein fataler Irrtum.

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass es DIE typischen Zöliakie-Symptome nicht gibt. Es gibt auch nicht DIE typische Reaktionsdauer. Manche reagieren schon kurz nachdem sie etwas Falsches erwischt haben, andere wiederum mehrere Stunden oder sogar Tage später. Das macht es oft auch schwierig, den tatsächlichen Auslöser zu definieren. Unabhängig davon, wie sich die Auswirkungen zeigen, eines bleibt gleich: Die Darmzotten werden geschädigt, es kommt zu einer Entzündungsreaktion im Körper.

Und damit sind wir wieder bei der Eingangsfrage, wie es mir nach einem Glutenunfall geht. Nachdem ich meinen letzten „Ausrutscher“ überstanden habe, habe ich mich hingesetzt und darüber geschrieben. Passiert ist dieser übrigens in einem sehr teuren Lokal, bei einem sehr feinen Abendessen, nach mehrmaligem Nachfragen und jedes Gericht mit dem Kellner durchsprechen. Zu den Schmerzen kam also noch der Ärger darüber, das selbst wenn man gefühlte 100 Mal nachfragt, es Köche gibt, denen das Befinden ihrer Gäste schlicht egal ist. Diesem Koch möchte ich übrigens die folgenden Zeilen widmen:

Der Feuerball in mir

Es kommt unvermittelt. Plötzlich. Aber schon die ersten Anzeichen machen klar, was los ist.
Kalter Schweiß. Ein extremes Völlegefühl.
Ein Bauch wie ein Luftballon.
Und ein Brennen. Ein Brennen im Bauch, genau an der Stelle, an der der Dünndarm beginnt.
Ansonsten ist der Bauch kalt, eiskalt, alle Wärme scheint sich auf diese eine Stelle zu konzentrieren.
Das Brennen wandert, bahnt sich seinen Weg. Nimmt zu und nimmt den ganzen Körper in Anspruch.
Der Kreislauf macht schlapp, kalter Schweiß am ganzen Körper.
Eine Wärmeflasche schafft etwas Linderung.
Immer wieder der Gang zur Toilette. Anstrengend. Übelkeit-verursachend anstrengend.
Dazwischen: Einrollen im Bett, warten. Es dauert. Mehrere Stunden.
Irgendwann ist der Feuerball seinen Weg gegangen, er verlässt den Körper.
Der Kreislauf kehrt zurück. Die Übelkeit vergeht.
Wasser trinken. Aufatmen.

 

 

Eine sehr informative Grafik zum Thema Symptome und dem „Chamäleon unter den Krankheiten“ Zöliakie gibt es auf der Seite von Zöliakie-Austausch.de!

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