Rezension: Über Weizenwampe und Siegernahrung

Zum Thema Ernährung, glutenfrei, weizenfrei und auch Zöliakie gibt es mittlerweile viele, viele Bücher. Drei der bekanntesten möchte ich euch vorstellen.

 

Weizenwampe: Warum Weizen dick und krank macht

Diese Buch von William Davis, seines Zeichens Arzt, ist eines jener Bücher, die den glutenfrei Trend erst richtig zum Abheben brachten. Erschienen ist die erste Auflage 2013, der Originaltitel lautet „Wheat Belly“. Die sehr interessante Grundthese des Buchs ist, dass der in unserer Nahrung allgegenwärtige Weizen nichts mehr mit dem „Urweizen“ zu tun hat. Das Getreide wurde gentechnisch verändert um den Anforderungen der Lebensmittelindustrie besser zu genügen. Das führt dazu, dass Weizen laut Davis zum „gesundheitsschädigenden Dickmacher“ geworden ist. Und er zählt eine ganze Reihe von Problemen auf, die durch diesen „neuen Weizen“ hervorgerufen oder begünstigt werden: Übergewicht, Diabetets, schnellere Alterung, Schädigung von Herz,  Hirn und Haut. Also eigentlich eh alles. Im Buch gibt es dann noch einen kurzen Teil mit großteils ohnehin von Natur aus glutenfreien Rezepten. Inzwischen gibt es auch ein eigenes Kochbuch und ein Buch mit Ernährungstipps.

Weizenwampe hat viel Lob, aber auch viel Widerspruch hervorgerufen. Schon allein der sehr reißerische Titel zeigt, dass es auch viel um Polemik geht. Gerade der starke Fokus auf das Thema abnehmen, nimmt dem ganzen Buch etwas die Glaubwürdigkeit bei den Gesundheitsthemen. Denn wenn man es genau nimmt, propagiert Davis eine kohlenhydratfreie Ernährung. Und das ist weder besonders neu, noch so gesund. Auch der Schreibstil, der sehr auf Wiederholung der Standpunkte setzt, ist nicht jedermanns Sache. Der interessanteste Aspekt für mich ist jener, wie Weizen (und das gilt wohl für sehr viele Nahrungsmittel) verändert wurde und wird. Und das dies Auswirkungen auf den Menschen  und seinen Körper hat, davon bin ich überzeugt.

 

Dumm wie Brot: Wie Weizen schleichend Ihr Gehirn zerstört

Auch dieses Buch von David Perlmutter in Zusammenarbeit mit Kristin Loberg hat in der deutschen Übersetzung wieder einen unfassbar reißerischen Titel. Im Orignial heißt es etwas dezenter „Grain Brain: The surprising truth about wheat, carbs and sugar – Your brain’s silent killers“. Und es fällt gleich auf, dass im Deutschen nur Weizen im Titel vorkommt, in der Originalfassung auch von Kohlenhydraten und Zucker die Rede ist. Der Titel allein ist damit etwas irreführend. Das Buch erschien in der ersten deutschen Auflage 2014 – wohl nicht ganz zufällig nach dem überaus erfolgreichen thematischen Vorgänger „Wheat Belly“.

Der Auto David Perlmutter ist Neurologe und beschreibt in diesem Buch, dass Weizen unsere Gesundheit, vor allem unsere Denkleistung und unser Gedächtnis schädigt. Und wie Davis sieht auch Perlmutter als einen der Gründe dafür das genetisch veränderte Getreide. Die Folgen sind laut den Studien, auf die sich der Autor beruft, chronische Kopfschmerzen, massive Schlafstörungen, Demenz und sogar Alzheimer. Und wie in „Die Weizenwampe“ wird zu einer kohlenhydratarmen und fettreichen Ernährung geraten. Das Buch erschien in den USA im Herbst 2013 und landete gleich auf der Bestsellerliste der New York Times. In den USA wird seitdem intensiv über das Thema Gluten und Alzheimer debattiert. Dass auch viele Stars mittlerweile auf Gluten verzichten, hat das Thema noch einmal angeheizt und führte dazu, dass sich inzwischen rund ein Drittel der Amerikaner glutenfrei ernähren (mehr dazu in diesem Blogpost).

Perlmutter hat übrigens ebenfalls zwei Nachfolge-Bücher geschrieben: „Dumm wie Brot – Das Kochbuch“ und „Scheißschlau: Wie eine gesunde Darmflora unser Hirn fit hält“ (wieder so ein furchtbarer Titel meiner Meinung nach).

Grundsätzlich kommt Dumm wie Brot etwas wissenschaftlicher und weniger missionarisch daher als „Die Weizenwampe“. Allerdings ist die Gluten-Alzheimer-Hypothese nur genau das: Eine Hypothese. Ein wirklicher Zusammenhang konnte bisher nicht bewiesen werden und hier bleibt Perlmutter auch eine konkrete Studie schuldig. Aber wie der Titel auf Englisch klar macht, geht es ohnehin nicht nur um Gluten, sondern um Kohlenhydrate generell und vor allem auch um Zucker. Und dass zuviel davon gesundheitsschädlich ist, ist mittlerweile unumstritten. Aber dass eine fett- und fleischbetonte Kost im Umkehrschluss so viel gesünder ist, ist auch fragwürdig. Generell ist das Buch für jemanden, der sich intensiv mit dem Thema Nahrung und ihre Auswirkungen beschäftigen will, aber sicher zu empfehlen.

 

Siegernahrung: Glutenfreie Ernährung für Höchstleistung

Der Autor dieses Buchs ist der erfolgreiche Sportler Novak Djokovic. In dem 2014 erschienenen Buch beschreibt er seinen Weg von einem Sportler, der immer wieder von Atemproblemen und Verletzungen geplagt wurde, zur Nummer eins der Weltrangliste. Und dieser Weg führte unter anderem über eine Ernährungsumstellung. Djokovic schreibt einerseits über sein Leben und gibt auch tiefe Einblicke in sein Privatleben. Im Mittelpunkt steht aber seine Ernährung, die er aufgrund einer sehr spät entdeckten Gluten- und Lactoseintoleranz komplett umstellte. Um Buch finden sich außerdem Wochen-Menüs, Ernährungstipps und einfache Rezepte.

Siegernahrung hebt sich von den zwei vorhergehend beschriebenenBüchern vor allem dadurch ab, dass es nicht von einem Experten oder Arzt geschrieben ist. Djokovic schildert seine Erfahrung und seine Sicht, er hat hat keinen missioniarischen Anspruch sondern rät einfach dazu, selbst auszuprobieren, was einem gut tut. Deshalb ist das auch kein Buch über Ernährung im klassischen Sinn, es geht auch nicht darum, wie man mit glutenfreier Ernährung schnell abnehmen kann. Natürlich sollte man sich als Leser schon vor Augen halten, dass Djokovic unter einer diagnostizierten Glutenunverträglichkeit leidet und sich durch die beschriebenen Verbesserungen dadurch einstellten, dass er sich nun dieser Krankheit entsprechend ernährt.

Das Buch ist gut geschrieben, es ist unterhaltsam und informativ und gibt einen spannenden Einblick in das Leben eines absoluten Spitzensportlers.

 

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